Lexalyze

Offene Promotionsstelle im Rahmen von Lexalyze

Digitale Revolution

Die Digitalisierung durchdringt und prägt das Zusammenleben der Menschen – in aller Welt und in allen gesellschaftlichen Bereichen. Die jüngste Entwicklungsphase der digitalen Revolution zeigt, dass gesellschaftliche Prozesse nicht nur instrumentell erleichtert, sondern strukturell tiefgreifend verändert werden. Dieser Strukturwandel wird etwa in der Wirtschaft – im Lichte der digitalen Optimierung von Produktionsprozessen – unter das Schlagwort Industrie 4.0 gestellt. Neue Produktionstechniken wie etwa der 3D-Druck erleichtern die dezentrale Entwicklung von Innovationen. Im Luftverkehr wandelt der Einsatz von Drohnen Transportprozesse, aber auch Militäreinsätze. Es zeichnet sich ab, dass die Möglichkeiten digitaler Steuerung in Bälde dem Straßenverkehr durch weitgehende Automatisierung von Kraftfahrzeugen eine neue Qualität geben werden. Schließlich ist die Medizin durch digitale Diagnose- und Therapiemethoden fundamental verändert worden. Die mit der digitalen Revolution verbundenen Chancen des Strukturwandels sind offenkundig und überwältigend.

Recht und Rechtswissenschaft als Mauerblümchen der digitalen Revolution

Es fällt auf, dass sich die Sphäre des Rechts und der Rechtswissenschaft bislang der digitalen Revolution weitgehend verschlossen hat. Zwar hat sich – von Seiten der Rechtswissenschaft – mit der Rechtsinformatik eine eigene Forschungsrichtung der Schnittfelder zwischen Recht und Informatik angenommen. Auch ist das Recht verschiedentlich zum Untersuchungsgegenstand informatischer Forschung gemacht worden. Freilich sind die Auswirkungen derartiger Forschungsansätze bislang gering geblieben. Insbesondere sind die Rechtssetzung, die Rechtsfindung und auch die Vertragsgestaltung in ihrer Struktur von der Digitalisierung weitgehend unberührt geblieben. Digitale Anwendungen haben lediglich instrumentelle Funktion – namentlich die allgegenwärtigen Datenbanken und Suchservices.

Das Potenzial unentdeckter Synergien

Die geringe Rezeptivität des Rechtssystems für einen Wandel durch Digitalisierung ist unter einigen Aspekten kontraintuitiv. Die Werkzeuge der Informatik erscheinen bei unbefangener Betrachtung zur Bewältigung rechtswissenschaftlicher Problemstellungen hervorragend geeignet: Steht doch das Rechtssystem vor dem Problem der Erschließung großer und komplexer Datenmengen, deren Ordnung (jedenfalls idealiter) objektiven bzw. rationalen Prinzipien folgt. Es drängt sich ferner in den modernen Rechtsordnungen der Eindruck einer Überregulierung auf, das ausufernde Normmaterial wirkt in vielen Bereichen redundant und ineffektiv. Die Informatik hat indessen in den vergangenen Jahrzehnten neue Erkenntnisse über eine effektive Ordnung und Nutzung komplexer Datenmengen zutage gefördert. Informationsintensive Prozesse, die früher noch zeitaufwändig und wissensintensiv waren, können heutzutage von Algorithmen mit geringem Aufwand und hervorragender Präzision durchgeführt werden.

Zwar liegt es auf der Hand, dass die Erkenntnisse der Informatik in der Sphäre des Rechts nur unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen juristischer Methodik verwertet werden können. Gleichermaßen nahe liegend ist es aber, dass das Recht noch deutlich stärker als bisher von den Erkenntnissen moderner Informatik profitieren können sollte. Die verbreitete Skepsis hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten informatischer Prozesse im juristischen Kontext wird dadurch relativiert, dass die erwähnten Aussichten der Industrieproduktion 4.0, der Einsatz von Drohnenflugzeugen sowie von vollautomatischen Kraftfahrzeugen und die Möglichkeiten digitaler Operationstechniken vor einiger Zeit ebenfalls noch utopischen Charakter hatten. Die vielfach bestätigte Erfahrung, dass Utopien durch die digitale Revolution Wirklichkeit werden, verleiht auch dem ehrgeizigen Ziel, neue Synergien zwischen der Rechtswissenschaft und der Informatik zu erschließen, vielversprechende Perspektiven.

LexAlyze – Interdisziplinäre Erschließung von Synergien zwischen Rechtswissenschaft und Informatik

Das Forschungsprogramm LexAlyze ist darauf gerichtet, Synergien zwischen der Rechtswissenschaft und der Informatik zu erschließen. Für alle Bereiche des Rechts – Gesetzgebung, Rechtsanwendung und Vertragsgestaltung – sollen die modernsten Erkenntnisse beider Disziplinen abgeglichen und für innovative Transfers fruchtbar gemacht werden. Ausgangspunkt ist dabei die Erhebung des bisherigen Forschungsbefunds der aus der Rechtswissenschaft heraus betriebenen Rechtsinformatik einerseits sowie der auf rechtliche Daten bezogenen Informatik andererseits.

Der neue und besondere Ansatz von LexAlyze besteht darin, dass der interdisziplinäre Transfer nicht durch eine einseitige Grenzüberschreitung (informatikaffiner) Rechtswissenschaftler oder (rechtsaffiner) Informatikwissenschaftler angestrebt wird. Vielmehr sollen Rechtswissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität und Informatiker der Technischen Universität München, die mit grundlegenden Beiträgen “an vorderster Front” in den methodischen Kerndiskursen ihrer jeweiligen Wissenschaft präsent sind, in einen fundamentalen Diskurs treten. Der Diskurs wird begleitet und befruchtet durch kooperierende Wissenschaftler anderer Institutionen sowie durch Partner aus verschiedenen Praxisbereichen des Rechts und der Informatik.

Das Projekt soll zunächst eine gemeinsame, d.h. mit beiden Wissenschaften kompatible, Sprache entwickeln. Auf einheitlicher Kommunikationsbasis sollen sodann zentrale Ziele und Methoden abgeglichen werden. Dieser Abgleich soll schließlich in erster Linie eine Entwicklung innovativer Problemlösungen für rechtsbezogene Prozesse gestatten. Idealerweise könnten neue, qualitäts- bzw. effizienzsteigernde Impulse für die Gesetzgebung, Rechtsanwendung und Vertragsgestaltung erzielt werden. Soweit sich indessen strukturelle Grenzen für synergetische Problemlösungen abzeichnen, sollen diese aufgezeigt und so präzise wie möglich definiert werden.