Arbeitsbereich IV

Unterstützung komplexer Rechtsfindungsprozesse: Technisch gestützte Bewertung und Quantifizierung rechtlicher Risiken in Vertragswerken und anderen Dokumenten

These
Die durch automatisierte Prozesse gestützte Bewertung von Rechtspositionen, Risiken und Verträgen anhand messbarer Eigenschaften von Rechtsdokumenten kann dazu beitragen, die Effizienz komplexer rechtlicher Bewertungsvorgänge zu steigern.

Beschreibung
Im Rahmen komplexer rechtlicher Prüfungsprozesse, wie etwa bei der due diligence, in der compliance, in umfangreichen Rechtsstreiten oder auch sonst bei der Bearbeitung großer Mengen ähnlich gelagerter Sachverhalte
ist eine zielstrebige Auswahl der zu sichtenden Dokumente Kernvoraussetzung einer effektiven Aufgabenbewältigung.
Ziel dieses Teilprojektes ist es, Rechtsanwendern die Durchführung dieser Bewertungsvorgänge zu erleichtern, indem heuristische Bewertungen der Relevanz einzelner Dokumente für die Gesamtaufgabe erstellt werden.
Datenintensive algorithmische Untersuchungsmethoden ermöglichen es, umfangreiche Bestände rechtliche relevanter Dokumente effizient und summarisch zu sichten.
Hierzu sollen linguistische, strukturelle und semantische Eigenschaften von Rechtsdokumenten identifiziert werden, die indiziell beispielsweise auf komplexe rechtliche Fragestellungen, unscharfe Regelungen oder Haftungsrisiken hinweisen.
Die extrahierten und verdichteten Informationen können zur Entscheidungsunterstützung herangezogen werden, um relevante Elemente zu identifizieren, insbesondere solche, die einer näheren Einzelfallprüfung bedürfen. Zusätzlich soll durch Aussonderung wenig relevanter Elemente die Bearbeitungseffizienz und –sicherheit erhöht werden.

Zur Durchführung sollen in Zusammenarbeit mit Stakeholdern aus der Praxis die informatische Erschließbarkeit juristischer Dokumente und deren Grenzen untersucht werden. Ziel ist die Herleitung intersubjektiv nachvollziehbarer Aussagen über Art und Ausmaß auffälliger Indikatoren.

Ziel(e)
Mit Abschluss dieses Teilprojekts soll die Machbarkeit einer praktisch verwertbaren Analyse von normativen Regelbeständen erkennbar sein. Insbesondere die Einbettung der Berechenbarkeit in einem informatischen Sinne soll sichergestellt und anhand praxisrelevanter Anwendungsfälle unter Beweise gestellt werden.

Wissenschaftliche Relevanz

Informatik
Die Einbettung von formalen Kriterien zur Bewertung, Beschreibung und Berechnung von Risiken in komplexe und inter-relative Modelle soll durch Methoden der Informatik (zB. Entscheidungstheorie und -unterstützung) untersucht und deren Anwendbarkeit evaluiert werden.

Rechtswissenschaft
Die Untersuchung großer Datenbestände auf ihre Relevanz für komplexe Untersuchungsvorgänge mittels Text- und Semantikanalyse schöpft das volle Potenzial informatischer Methoden bisher noch nicht aus. Die gewonnenen Erkenntnisse versprechen praktische Anwendbarkeit; zugleich können über eine Auswertung der gewonnenen Daten Rechtsdokumente typisiert und so weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen zugänglich gemacht werden.